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2000

Hans-Peter Müller

„Zettels Raum" (Jahresinstallation)

Galerie im BAP Witten (EA)

ZETTELS RAUM. AUSGESETZTE KINDER

Ein Jahr lang hat Peter Müller in den Räumen des Büros für Architektur und Planung (bap) in Witten gearbeitet. Genauer gesagt, auf einer in die Tragkonstruktion eingehängten Dachebene, einem langgestreckten, nach allen Seiten offenen Raum, der Einblick in die darunter-liegenden Büroräume gewährt.

Nach und nach hat er sich den Raum auf seine Art angeeignet, ihn durch mitgebrachte Objekte und künstlerische Eingriffe in einen poetischen Raum verwandelt. Er ist kein Konzeptkünstler, der nach vorgefassten Plänen ein solches Projekt schnell realisiert. Viel Zeit konnte er sich nehmen, um sich einzuleben, dort heimisch zu werden. In all seinen Arbeiten spielt dieser Prozess eine wichtige Rolle, er gibt ihm die Möglichkeit jederzeit auf neue Erfahrungen mit dem Raum zu reagieren und einmal gemachte Eingriffe wieder zu verwerfen, sollten sie sich nicht als tragfähig erweisen. So präsentiert „Zettels Raum" zum Zeitpunkt der Öffnung für die Betrachter nicht den absoluten Endpunkt eines abgeschlossenen Werkes, sondern einen Haltepunkt im Zeitkontinuum seiner Arbeit an und mit dem Ort.

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ZETTELS RAUM

Der Titel „Zettels Raum" verweist auf den von Peter Müller bewunderten Schriftsteller Arno Schmidt und auf dessen Roman Zettel's Traum (1970). Ein monumental umfangreiches Buch - 1330 Seiten vom Format DIN A3 - das Epos und Essay, Übersetzungstheorie und Dichterpsychographie zugleich ist. In einem früheren Stadium der Arbeit im 'bap' konnte man eine Ausgabe des Buches auf einem Lesepult, zwischen seinen eigenen Künstlerbüchern einsehen. Die beschriebenen und bemalten Bücher sind nun leeren Zetteln gewichen, genauer, Stapeln von leeren Papierbögen auf Holzpaletten. Sie sind ein Teil der 1999 im Museum Bochum realisierten Installation „1001 Zeichnung".

Das Außergewöhnliche von Zettel's Traum liegt nicht so sehr im Umfang des Buches oder dessen stark gedehnter Handlung, sondern in der „Spaltentechnik", d.h. der Aufspaltung des Textes jeder einzelnen Seite in drei, wechselnd umfangreiche, Textstränge. Ungewöhnliche Orthographie und Interpunktion sowie unzählige, zum Teil fremdsprachige Zitate, Randbemerkungen, Anspielungen und Querverweise durchziehen das Buch. Der Titel verweist auf den traumhaften Charakter des ganzen Romans, auf die 120.000 Notizzettel aus dem er entstanden ist, aber auch auf die Traumerzählung Zettels, des Webers in Shakespeares Sommernachtstraum.

Im Kontext von Peter Müllers künstlerischer Arbeits- und Denkweise ist der Vergleich mit Arno Schmidts experimentellem Roman durchaus interessant. Auch seine Raum-Bilder entstehen in einem additiven Verfahren, als Ansammlung von Fragmenten, Assoziationen und Verweisen, bei denen sich zufällige neue Bedeutungen ergeben. Ebenso tauchen in seiner Arbeit Bücher in unterschiedlichen Formen auf. Inhaltlich in den vielen aufgeschriebenen Zitaten, formal in den großen „Bilanzbüchern" , die tagebuchähnlich mit Übermalungen und Texten gefüllt sind. Als gestalterisches Material benutzt er Bücher z.B. in der Buchecke der Installation „Poetry is not made out of ideas" in den Flottmannhallen Herne oder in seinem 1989 entwickelten Objekt der „Buchzwinge".

„Zettels Raum", das ist der Raum, in dem alles wieder zusammenkommt, in dem altes und neues nebeneinander existiert, in dem die Orgelpfeifen sich mit dem Dach zu einer neuen Einheit verbinden, die Papierbahn der alten Schreibmaschine über den Büros der Architekten schwebt.

Auch wenn Peter Müller nicht malt, bleibt seine Arbeit doch unverwechselbar: sie hat mit der Poesie des Raumes zu tun, mit der Atmosphäre von Orten. Denn wir leben nicht in einem homogenen und leeren Raum, sondern in einem Raum, der mit Qualitäten aufgeladen ist, und der von anschaulichen Bildern und Erscheinungen bevölkert ist.

Barbara Bergmann, Oktober 2000

Nach den Rauminstallationen in den Flottmann-hallen in Herne, im Wittener Wasserwerk oder im Märkischen Museum arbeitet Peter Müller hier zum ersten Mal inmitten einer alltäglichen Arbeitssituation. Herausgehoben zwar, aber doch begehbar für alle Mitarbeiter des Büros. Besucht man „Zettels Raum" während der Arbeitszeit - was nach Absprache durchaus erwünscht ist - könnte man zugleich den Tagesablauf des Architekturbüros durch die oben offenen Arbeitsräume wie in einem Versuchslabyrinth aus der Distanz beobachten.

BILDERHans-Peter_Muller_Malerei_aktuelle_Bilder.html